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FAUST  -  Eine  deutsche  Volkssage





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Hans Kyser nach Motiven von Johann Wolfgang von Goethe, Christopher Marlowe und der alten Faust-Sage
Kamera: Carl Hoffmann
Ausstattung:    Robert Herlth & Walter Röhrig
Musik: Werner Richard Heymann
Darsteller:


Gösta Ekman (Faust), Emil Jannings (Mephisto), Camilla Horn (Gretchen), Frida Richard (Gretchen's Mutter), Wilhelm Dieterle (Valentin, Gretchens Bruder), Yvette Guilbert (Marthe Schwertlein), Eric Barclay (Herzog von Parma), Hanna Ralph (Herzog von Parma), Werner Fuetterer (Erzengel), Hans Rameau (Bauernbursche), Lothar Müthel (Mönch), Hertha von Walther, Emmy Wyda u.a.

Produktion: Ufa
Drehzeit: September 1925 - Mai 1926
Drehort: Atelier Neubabelsberg
Premiere: 14. 10. 1926, Ufa-Palast am Zoo, Berlin
Länge: 2484 Meter (115 Minuten)



Mit dem Vorspiel beginnt die Verzauberung: Murnau läßt einen gleißenden Erzengel sein funkensprühendes Flammenschwert erheben und einen Dämon im schwarzen Federkleide mit riesigen Fledermaus-Schwingen den Himmel verdunkeln: Der gute und der böse Geist ringen um Faustens Seele. Düstere Kapuzenmänner tragen Pesttote durch die Gassen. Zerquält fühlt Faust seine Machtlosigkeit: Es hilft kein Glaube, es hilft kein Wissen, alles ist Lüge... Nur einen Tag heraus aus dieser Ohnmacht! Für diesen Tag verschreibt er sich dem Teufel. Mit Blut besiegeln sie den Pakt: der bärtige Philantrop und der Teufel, hier nicht in der Paradeuniform des Vorspiels, sondern mit strähnigem Haar und schlampigem Kittel, das Gesicht verquollen, die Augen vertränt, aber mit triumphierendem Glitzerblick beim Sieg über die Seele. Faust heilt nun Kranke, wird aber von der Menge gesteinigt, als sie seine Scheu vor dem Kreuz entdeckt. Er folgt Mephistos Parole: Genuß ist alles, werde jung! Aus dem Greis wird der blonde Jüngling und aus dem Teufel, der schlampigen Vettel, ein satanischer Geck im schwarzen Atlasgewand. Nach dem berühmten Flug auf Mephistos wehendem Mantel, einer Meisterleistung von Herlth und Röhrig vor der Erfindung des Kamerakrans, gefolgt von einer Episode am Hof von Parma, steuert Murnau auf die Osterbegegnung zu. Dort hat Murnau einen Kontrapunkt gesetzt: das "Liebesspiel" zwischen Mephisto und Marthe Schwertlein. Mit vulgärem Charme, servil und verschlagen, listig und lüstern offeriert Jannings seine Tartüff-Palette. Die französische Diseuse Yvette Guilbert hat hier fast die einzige Chance, als liebestolle Vittib ihre schauspielerischen Möglichkeiten anzudeuten. Sadoul nennt die Sequenz eine fast sadistische Karikatur der Liebe.


Als Gretchen debütierte mit mäßigem Erfolg Camilla Horn, ein Mädchen aus der Berliner Nelson-Revue. Sie war für den amerikanischen Star Lilian Gish eingesprungen, die auf ihrem Kameramann Charles Rosher bestanden hatte. Später sollte Murnau Sunrise/ Sonnenaufgang (1927), seinen ersten Film in den USA, mit ihm drehen. Für die blasse Faust-Figur konnte kein namhafter deutscher Schauspieler gefunden werden, auch der Schwede Ekman vermochte sie nicht zu beleben. Die Stars des Films waren Jannings, die Bauten und die Kamera.


Für Murnau war es wichtiger, berichtet Herith, Schatten zu machen als das Licht zu stellen. Wir malten mit den Blenden im Raum, schufen Schatten an der Wand und in der Luft. Denn für Murnau war die Beleuchtung ein Teil der Regie. Für die sich ballenden Nebel, die an den Schöpfungsakt gemahnen, wurde gegen einen Wolkenprospekt aus mehreren Rohren Dampf geblasen, den Scheinwerfergruppen zu Strahlen bündelten. Der schwarze Pesthauch, der die Stadt verdunkelte, war nicht nur Metapher, sondern senkte sich als schwarzer Farbruß, den Propeller aufwirbelten, auf Drehstab und Dekoration. Ich glaube, schreibt Herlth, daß niemand seiner Mitarbeiter, weder vorher noch nachher, so schwere Anstrengungen habe leisten müssen wie unter seiner Leitung. Die Arbeit war für ihn das Gebanntsein in einen Prozeß, wie sie nur der Forscher oder der Arzt bei einer Operation kennen. So sind es die gestalterischen Entdeckungen, die heute noch faszinieren, nicht der philosophische Anspruch, der nur bei Goethes Faust zu finden ist.


     Bilder:

die Apokalyptischen Reiter // Mephisto und der Erzengel // Faust und seine Studenten // Mephisto bringt die Pest // ein Mönch spricht zur Menge // Faust wird um Hilfe gebeten // der verzweifelte Faust // Faust ruft den Teufel herbei // Mephisto im Laboratorium // der Pakt mit dem Teufel // Faust weicht vor dem Kreuz zurück // Mephistos Verwandlung // die Verjüngung des Faust // Faust reitet auf Mephistos Mantel // Mephisto bietet ihm die Krone // Gretchen in ihrer Stube // Faust steht an Gretchens Fenster // Mephisto und Marthe Schwertlein // Faust, Mephisto und Gretchen // Mephisto schreit: "Mord... Mord!" // Gretchen steht am Pranger // ein mampfender Zuschauer // der Geist von Gretchens Mutter // Gretchen irrt durch den Schnee // der Scheiterhaufen wird errichtet

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