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Das Fingertier oder Aye-Aye ist in seiner Erscheinung und Lebensweise einzigartig. Es hat ein dickes,
dunkelbraunes Fell, weiße Flecken am Körper, außergewöhnlich langes Deckhaar, einen großen, buschigen
Schwanz, nackte, fledermausartige Ohren und riesige Schneidezähne, die von den anderen wenigen Zähnen
durch eine beachtliche Lücke getrennt sind. Es besitzt einen spindeldürren Mittelfinger an jeder Hand und
Krallen an allen Fingern (die stark verlängert sind), bis auf den dicken Zeh, der einen Nagel trägt. Mit 3 kg
Gewicht und einer Kopf-Rumpf- und Schwanzlänge von jeweils 40 cm ist es auch der größte nachtaktive
Primat, über den man sonst aber noch nicht viel weiß.
Das Fingertier lebt als Einzelgänger im nördlichen Teil des Regenwaldes an der Ostküste Madagaskars. Die
Tage verschläft es in einem selbstgebauten Nest, das es öfters wechselt. Nachts klettert es auf allen vieren
in den Bäumen oder läuft am Boden umher. Auf den Bäumen kann es sich mit seinen Krallen sowohl an
Stämmen wie auch an dünnen Zweigen festhalten. Es kann sogar kopfüber an solchen Zweigen hängen und
dabei die Krallen als Haken benutzen. Am Boden werden die Finger angehoben, so dass sie nicht die Erde
berühren, was dem Tier einen merkwürdigen und schwerfälligen Gang verleiht. Das Fingertier frisst Obst und
Insektenlarven. Mit seinen kräftigen, nach vorn gebogenen, schräg geschliffenen Schneidezähnen zersägt es
die harte Außenschale von Früchten, z. B. Kokosnüssen.
Das Fingertier ist der einzige Primat, dessen Schneidezähne ständig nachwachsen, um die starke Abnutzung der
Spitzen auszugleichen. Hat das Tier die Frucht erst geöffnet, holt es mit dem Mittelfinger das Fruchtfleisch und
den Saft heraus. Mit den großen Ohren kann das Fingertier vermutlich unter der Rinde toter Zweige bohrende
Insektenlarven wahrnehmen. Es schält die Rinde mit den Schneidezähnen ab, untersucht mit dem Mittelfinger das
Bohrloch und befördert die Larve in seinen Mund. Das Fingertier ist das einzige lebende Mitglied der Familie
Daubentoniidae. Heute ist es fast ausgestorben. Ein ä;hnliches, um ein Drittel größeres Tier, Daubentonia robusta,
wurde in den letzten 3.000 Jahren ausgerottet. Die Zerstörung des Lebensraums ist eine wichtige Ursache für ihr
Verschwinden, aber der Mensch hatte seine Hand auch unmittelbar im Spiel. Vielleicht wegen seiner bizarren
Erscheinung halten viele Madagassen dieses Lebewesen für einen Unglücksboten, den man besser sofort tötet.
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