Indris & Sifakas


Heute leben nur noch 3 Gattungen der einst so großen Familie Indriidae. In jüngster Zeit wurden etwa 50% der vielfältigen Lemurenfauna Madagaskars ausgerottet und diese aktiv springenden Lemuren auf nur noch vier Arten reduziert. Drei von ihnen prägen der Familie den Stempel einer großen, blätterfressenden, tagaktiven und in kleinen Gruppen lebenden Tierart auf. Einer davon, der Indri, der größte Halbaffe, ist der Babakoto, der in den Legenden Madagaskars von der Entstehung des Menschen eine besondere Rolle spielt. Indris und Sifakas haben die Größe von Affen, springen in den Baumkronen von einem vertikalen Stamm oder Ast zum nächsten und halten den Körper gewöhnlich aufrecht. Der Indri kann bis zu 10 m, meist aber 3-5 m weitspringen. Die Fortbewegung auf der Erde ist einmalig: zweifüßige Hopser, die Arme mindestens in Schulterhöhe gehalten und den Körper etwas entgegen der Fortbewegungsrichtung geneigt. Zu den allgemeinen Merkmalen der Indriartigen gehören verhältnismäßig lange Beine (eine Anpassung an ihre Fortbewegungsart), je ein fehlender Vorbackenzahn im Ober- und Unterkiefer sowie ein Paar seitenständige Brustwarzen. Sie haben eine kurze, breite Schnauze und große Hände und Füße.

Die Nahrung der Indriartigen besteht ausschließlich aus Früchten und Blättern. Larvensifakas fressen geringe Mengen Rinde und totes Holz (wahrscheinlich zur Wassergewinnung), der Indri nimmt Erde zu sich (möglicherweise um die Verdauung anzuregen). Die Indriartigen ziehen die Zweige mit der Hand zum Mund und beißen die Nahrung ab. Ihre Greifhände und -füße erlauben es ihnen trotz ihrer Größe, an dünnen ästen zu hängen, um an die Nahrung zu gelangen. Alle Indriartigen, vor allem der Indri selber, besitzen einen gut entwickelten Blinddarm, wo Zellulose mit Hilfe einer Eingeweideflora fermentiert und so für die Tiere verdaubar gemacht wird.

Larvensifaka-Gruppen bestehen aus drei bis zwölf Tieren, oft mit mehr als einem geschlechtsreifen Paar. Einige Männchen wechseln - offensichtlich abhängig vom sozialen Rang - vor der Paarungszeit die Gruppen. Die Weibchen sind mit etwa drei Jahren geschlechtsreif und erlangen im Spätsommer eine sehr kurze Empfängnisfähigkeit (bis zu 42 Stunden), die bei allen Tieren ziemlich zur gleichen Zeit eintritt und nach einer Tragzeit von 160 Tagen im Juni und Juli zu einer Häufung der Geburten führt. Das einzelne Neugeborene ist fast nackt und hat eine schwarze Haut. Anfangs klammert es sich an den Unterleib der Mutter, wechselt aber nach drei bis vier Wochen auf ihren Rücken. Mit fünf Monaten ist das Junge entwöhnt, mit etwa sieben Monaten löst es den engen Kontakt zur Mutter

Die Tiere werden mit acht bis neun Jahren geschlechtsreif und bringen vermutlich im Abstand von drei Jahren Junge zur Welt. Larvensifakas besetzen Reviere von 1-9 ha und leben in Gruppen von ein bis vier erwachsenen Weibchen, ein bis vier erwachsenen Männchen und Jungen beiderlei Geschlechts, bei einer durchschnittlichen Gruppengröße von fünf Männchen und neun Weibchen. In größeren Revieren wird ein Viertel bis zur Hälfte aktiv verteidigt, bei kleineren Territorien auch das gesamte Gebiet. Die geschätzte Populationsdichte liegt im Höchstfall bei 9 bis 16 Tieren pro ha.

Indrigruppen grenzen ihr Territorium auch durch Serien kräftiger, abgestufter Heultöne ab, in die regelmäßig alle Tiere der Population einstimmen. Diese Lieder sind bis zu siebenmal am Tag während knapp drei Vierteln des Jahres zu hören. Mit ihnen werden verschwundene Gruppenmitglieder zurückgerufen und, bei Begegnung verschiedener Gruppen an Territoriumsgrenzen, Revieransprüche dokumentiert. Sifakas geben manchmal ein lautes Rasseln ab, Indris und Sifakas haben bestimmte andere Rufe zur Warnung vor räuberischen Feinden am Boden und in der Luft. Leise Rufe innerhalb der Familiengruppen bestehen aus Summen, Grunzen und Knurren. Jede Art hat offensichtlich ihr eigenes Repertoire von fünf bis sechs Rufen.

Alle Indriartigen sind von der Zerstörung ihres Lebensraums durch die Suche nach Öl, Waldrodung oder fortschreitende Landwirtschaft bedroht. Die östlichen Arten sind am stärksten gefährdet, da der Regenwald von Ost-Madagaskar immer mehr zu einer Reihe kleiner Inseln reduziert wird, was mit Sicherheit zur Ausrottung der dort lebenden Arten führt. Beide Sifaka-Arten werden in manchen Gegenden von den Eingeborenen verzehrt und aus diesem Grund in Fallen gefangen oder geschossen. Bisher konnte nur der Larvensifaka zufriedenstellend in Gefangenschaft gehalten werden. Die wenigen noch verbleibenden Arten der Familie können nur durch gezielte Schutzmaßnahmen gerettet werden.

ein Indri --> klicken, um zu Vergrößern
Indri
(Indri indri)
Lä;nge: 57-70 cm
SchwL: 5 cm
Gewicht: 7-10 kg
ein Larvensifaka --> klicken, um zu Vergrößern
Larvensifaka
(Propithecus verreauxi)
Lä;nge: 39-48 cm
SchwL: 50-60 cm
Gewicht: 3,5-4,3 kg
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