Autor:
Max Jacob (11. 7. 1876, Quimper - 5. 3. 1944, KZ Drancy/Paris)

Werk:
"Ängste" (Angoisses et autres)

Übersetzung:
Joachim Campe, Frankfurt/M. 1994

Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994



Der aus dem bretonischen Quimper stammende Max Jacob war religiös. Er hatte sogar Visionen: Er war Jude und sah Christus. Jacob war aber auch homosexuell und schrieb gewagte, den Surrealismus vorbereitende Verse. So zögerte die Kirche, bis sie ihn 1915 katholisch taufte - in Notre Dame. An seinem Sexualleben änderte das nichts: Sein Gedicht "Ängste" von 1928 drückte die innere Spannungen aus. - 1944 deportierte ihn die Gestapo in das berüchtigte Lager von Drancy, wo Jacob schließlich zu Tode kam.



Ängste

Ich fürchte mich, daß du dich kränkst
wenn ich doch immer wieder wäge
in meinem Herzen meinen Werken
deine Liebe mir verloren
die andere an der ich sterbe

Was schriebst du denn in diesen Versen
oder anders Gott was störst du
Gott die Priester und die Engel
oder anders Höllenlieben
Todeskämpfe voller Gier
Rechter Fels und alter Moloch
ich scheide und ich kehr zurück
zu dem mir zugänglichen Bösen
meine Lieben in der Tasche
ging ich weinen auf ein Boot

Auf dem Wall von Edinburgh
da vermählt sich soviel Schmerz
heute abend
mit so vieler Liebe
daß davon Poesie dein Pferd
einen schwarzen Schleier

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