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Für das jungmalaiische Iban-Volk auf Borneo, einst Kopfjäger, spielte der Koboldmaki
früher eine bedeutende Rolle als Totemtier, denn man glaubte, der Kopf dieses kleinen,
nachtaktiven Primaten sei nicht festgewachsen. Dieser Glaube stammte von seiner außerordentlichen
Fähigkeit die Nackenwirbel gegeneinander zu verdrehen. Die Koboldmakis sind zwischen anderen
Halbaffen und Affen im System schwer einzuordnen.
Die drei Arten sind in etwa gleich groß. Das Fell der Koboldmakis ist lederfarben- grau bis ocker,
manchmal auch beige oder sandfarben; es ist weicher als Samt. Diese "senkrechten Klammerer und
Springer" sind für ihre Sprungleistungen bekannt. Die Kopfrumpf- Länge macht etwa nur die Hälfte
der Gesamtlänge der hinteren Gliedmaßen aus. Alle drei Beinabschnitte (Ober-, Unterschenkel und Fuß)
sind verlängert und etwa gleich lang (beim Sundakoboldmaki jeweils 6-7 cm).
Die zweite und dritte Zehe der Koboldmakis tragen sogenannte "Putzkrallen" für die soziale
Fellpflege ("grooming"), während die anderen Zehen und die Finger Nägel haben. Die Finger sind
lang und dünn und werden wie ein Kescher benutzt, um flinke Insekten in der Dunkelheit der Nacht
zu fangen. Die riesigen Augen weisen die Koboldmakis als nächtliche Jäger aus. Die Augen sind
nach vorn gerichtet und erlauben räumliches Sehen; genau wie bei Eulen sind sie kaum beweglich.
Jedes Auge des Sundakoboldmakis wiegt etwas mehr als das ganze Gehirn (etwa 3 g), bei dem das
Sehzentrum am besten entwickelt ist. Koboldmakis orten den Großteil ihrer Beute zunächst mit
ihrem scharfen Gehör. Im Vergleich zu anderen Primaten ihrer Größe haben sie nadelspitze, recht
große Zähne.
Während man fossile Verwandte der Koboldmakis in Asien, Europa und Amerika gefunden hat, leben
sie heute ausschließlich auf einigen südostasiatischen Inseln. Die drei Arten leben getrennt
voneinander. Der Celebeskoboldmaki ist der primitivste der heutigen Koboldmakis, am wenigsten
an ein nächtliches Leben und eine springende Fortbewegungsweise angepasst. Philippinen- und
Sundakoboldmaki besitzen eine Reihe von eigenständigen gemeinsamen Merkmalen.
Alle drei Arten scheinen ausschließlich Insekten- und Fleischfresser zu sein. Sie nehmen alle
Arten von Gliederfüßern, sogar Ameisen, Käfer, Schaben und Skorpione. Die individuellen Unterschiede
der Ernährungsweise sind beachtlich: Einzelne Tiere fressen Eidechsen und Fledermäuse, andere
lehnen diese Nahrung ab. Der Sundakoboldmaki kann Vögel fangen und töten, die größer sind als
er selbst. Auch giftige Schlangen fallen ihm manchmal zur Beute. Koboldmakis trinken öfters
während der Nacht. Sie fangen ihre Beute stets, indem sie diese anspringen, mit einer oder
zwei Händen nach unten pressen und mit mehreren Bissen töten oder zumindest unbeweglich machen.
Das Opfer, das oft am Boden erlegt wird, tragen sie an einen sicheren Ort und fressen zuerst
seinen Kopf. Der Sundakoboldmaki kann täglich etwa 10% seines Eigengewichts an Nahrung zu sich
nehmen ( 10- 14 g). Er ist mit etwa einem Jahr geschlechtsreif. Bei ihm und dem- Celebeskoboldmaki
kommen die Jungen das ganze Jahr über zur Welt.
Bei der Werbung um den Partner gibt der Sundakoboldmaki sehr leise Laute von sich und veranstaltet
ausgiebige Verfolgungsjagden. Die Tragzeit dauert etwa sechs Monate. Das einzige Junge kommt mit
einem gut entwickelten Fell und offenen Augen zur Welt. Schon vom ersten Tag an kann es klettern;
es hat fast ein Viertel des Gewichts seiner Mutter. Vor der Jagd legt die Mutter ihr Junges ab,
das mit ihr durch leise Klicklaute oder schrilles Pfeifen - je nach dem, wie weit sie entfernt
ist - Kontakt hält. Man hat eine Gruppe von Celebeskoboldmakis beobachtet, die auf einem Gebiet
von 10 km² in einer Dichte von 250-350 Tieren pro km² lebte. Obwohl die Heimreviere sich bis
zu einem gewissen Grad überschneiden, werden nur die Kernzonen gegen Artgenossen verteidigt,
was häufig festgestellte Verletzungen belegen.
Allerdings verringern alle drei Arten das Risiko offener Kämpfe, indem sie ihr Kernrevier mit
Urin oder einem Sekret aus einer Hautdrüse an der Brust markieren. Bei den Celebeskoboldmakis
bilden Paare oder eine kleine Familiengruppe soziale Einheiten. Sie geben in der Nähe des
Schlafplatzes inmitten des Heimreviers Kontaktrufe und andere soziale Laute ab. Bei dieser
akustischen Reviermarkierung führen Männchen und Weibchen ein wunderschönes Duett mit sehr
verschiedenen Stimmen in hoher Lage.
Auf Celebes und Borneo sind die Koboldmakis noch zahlreich und nicht bedroht, außer dort, wo
der Wald wirtschaftlich genutzt wird, so jährlich an die zehntausend Tiere der Rodung zum
Opfer fallen. In Malaysia und Indonesien sind die Koboldmakis gesetzlich geschützt. Einzig
in den Nationalparks haben sie dort noch eine Überlebenschance.Koboldmakis wirken auf viele
Menschen sympathisch, so dass immer wieder versucht wird, sie als Haustiere zu halten. Aber
da diese empfindlichen Primaten lebendige Nahrung brauchen, sterben sie gewöhnlich innerhalb
weniger Tage.
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