|
Wie alle Primaten auf Madagaskar entwickelten sich die Lemuren ("Geister") isoliert von den Affen
und Menschenaffen Afrikas und frei von den meisten Konkurrenten und räuberischen Feinden der
Primaten des Festlandes. Einige besetzten die gleichen ökologischen Nischen wie die Affen in Afrika,
während andere sich grundsätzlich anders als die übrigen Primaten entwickelt haben. Vor etwa 2.000
Jahren landeten Menschen auf der Insel. Sie jagten, veränderten den Lebensraum und führten neue
Tierarten ein. Durch ihre Entwicklung in der Isolation waren die madagassischen Primaten nicht auf
eine solche Konkurrenzsituation vorbereitet, so dass mindestens 14 Arten ausstarben, darunter auch
die Megaladapinae, baumlebende Tiere von der Größe eines Orang-Utans. Heute gibt es nur noch
3 Unterfamilien der Lemuridae. Die Mittleren Lemuren (Lemurinae) und die Wieselmakis (Lepilemurinae)
sind noch weit verbreitet, die Halbmakis (Hapalemurinae) der Ausrottung nah.
Die Lemuren sind eichhörnchen- bis katzengroß und wiegen 0,5-5 kg. Männchen und Weibchen erreichen
etwa dieselbe Größe, sind aber bei den "eigentlichen Lemuren" (Gattung Lemur) unterschiedlich gefärbt.
Alle besitzen einen langen, oft buschigen Schwanz und längere Hinter- als Vordergliedmaßen, ein Merkmal,
das bei den Lemurinae am wenigsten ausgeprägt. Diese Unterschiede haben Einfluss auf die Fortbewegung
dieser Tiere im Geäst der Bäume.
Sie huschen flink über die kleinen Äste und Zweige am Rand der Baumkronen und können meterweit von
einer Krone zur anderen springen. Eine Ausnahme ist der Katta, der gewöhnlich am Boden läuft und lieber
breite, waagerechte Hauptäste als dünne, weniger stabile Zweige benutzt. Er ist der einzige Primat auf
Madagaskar, der den Erdboden ausgiebig nutzt. Halbmakis sind bisher kaum erforscht, wurden aber schon
auf allen vieren sowie beim Sprung zwischen aufrechten Pflanzenstämmen beobachtet. Der Große Wieselmaki
springt fast ausschließlich von einem Pflanzenstamm zum nächsten.
Die Schnauze ist schwarz, spitz, mit sensiblen Schnurrhaaren bedeckt, die Nase an der Spitze nackt und
feucht (Rhinarium). Obwohl bei allen Arten, besonders dem Großen Wieselmaki, das Riechhirn zurückgebildet
ist, hat der Geruchssinn als Träger der geruchlichen Kommunikation große Bedeutung für das Sozialverhalten.
Alle Arten besitzen Duftdrüsen, mit deren Sekreten sie bestimmte Äste, aber sich sogar auch gegenseitig
markieren. Der Schwanz des Kattas hat eine zweifache Funktion: Die schwarzweißen Bänder machen ihn
einerseits zu einem augenfälligen Signal; andererseits benetzen die Tiere ihren Schwanz bei ritualisierten
Kämpfen mit Sekreten aus den Duftdrüsen am Arm und schwingen ihn über den Kopf des Gegners.
Alle Lemurenartigen sind von der Zerstörung des Lebensraumes bedroht. Die unterschiede ihrer
ökologischen Ansprüche werden ausschlaggebend sein, wie lange die Tiere der drei Unterfamilien
noch auf der Insel überleben können.
|

|