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Da sie ausschließlich nachts aktiv werden, konkurrieren die Loriartigen ( "Lori" bedeutet "Clown") ökologisch
nicht mit den höheren Affen. Wie die Lemuren haben sie noch einen gut entwickelten Geruchssinn und
unterscheiden sich von den höheren Primaten (und Koboldmakis) durch eine feuchte Schnauze (Rhinarium).
Außerdem ist ihr Gesicht, im Gegensatz zu den höheren Primaten, haarig. An der Unterseite der Zunge liegt
ein zweiter, fleischiger Kamm (Sublingua). Er hat scharfe und harte Spitzen, um die Reste zwischen den Zähnen
des Zahnkamms zu entfernen. Alle Finger und Zehen haben Nägel, bis auf den zweiten Zeh, der zu einer
Putzkralle umgewandelt ist und benutzt wird, um Kopf und Nackenfell zu pflegen und die Ohren zu säubern.
Nur der erste Zeh des Fußes kann den anderen Zehen wirklich gegenübergestellt werden.
Die Loris und Pottos (Familie Lorisidae) sind langsame Kletterer. Es gibt zwei afrikanische und zwei asiatische
Arten. Diese vier Arten haben einen weniger langen Schwanz und weniger ungleiche Gliedmaßen als die
Buschbabys. Sie sehen wie behäbige, bedächtige Bärenjunge aus und bewegen sich an ästen oder Lianen so
langsam vorwärts, dass sie dadurch im dichten Pflanzenwuchs unbemerkt bleiben. Diese tarnend verborgene
Fortbewegungsart hat ein solches Maß an Perfektion erlangt, dass die Tiere nicht mehr springen können. Ein
gefangener Potto blieb 2 Jahre lang zwischen den Zweigen, die an einer Zimmerdecke befestigt waren, ohne
auch nur einmal auf den an der niedrigsten Stelle nur 2 m entfernten Boden zu fallen. Nur bei sehr großer Angst
lassen sich diese Tiere zu Boden fallen, was im dichten Wald ein wirksames Fluchtverhalten ist. Beim kleinsten
Laut oder einem unerwarteten Zwischenfall können Loris und Pottos reglos verharren, bis der mögliche Feind
außer Sicht ist. Diese Starre kann stundenlang anhalten und frustriert auch den geduldigsten Beobachter.
Diese Tarnung hat natürlich nur in sehr üppigem Laub Erfolg. Wird eines dieser Tiere von einem kleinen
Raubtier entdeckt, kann es sich bis zu einem gewissen Grad aktiv und passiv verteidigen und den Angreifer
manchmal von seinem Vorhaben abbringen. Nacken und Rücken des Pottos z. B. sind mit einem Schild aus
dicker Haut bedeckt, die über höckerartigen Auswüchsen der Fortsätze des letzten Hals und der ersten zwei
Brustwirbel liegen und mit spitzen Dornkappen besetzt sind. Im Falle eines Angriffs wendet sich der Potto
diesem zu, birgt den Kopf zwischen den Händen und zeigt seinen Schild. Dabei weicht er dem Angreifer durch
Seitwärtsbewegungen aus, ohne den Griff seiner Hände und Füße vom Zweig zu lösen. Dann richtet sich
der Potto auf, hält sich weiterhin fest und beißt kräftig zu oder versetzt dem Räuber einen Schlag mit dem
Schild, dass er zu Boden stürzt und danach kaum wieder zu seiner Beute zurückfindet.
Der Bärenmaki ist viel schlanker als der Potto und hat keinen derartigen Schutzschild .Kommt ein Räuber
auf ihn zu, rollt er sich zusammen und versteckt Kopf und Nacken zwischen einem Arm und der Brust. Nur
der kleine, knopfartige Schwanz ragt aus diesem reglosen, haarigen Ball hervor, dessen Haare in Form eines
Ringes aufgerichtet sind. Diese merkwürdige Haltung ist geeignet, einen vorsichtig herankommenden
Angreifer zu verwirren. Sobald dieser den Schwanzknopf beschnüffelt oder den Bärenmaki an seinem
Rumpf berührt, beißt dieser den Gegner unter seinem Arm hindurch. Durch die Abwehrbewegung des
Räubers kann der Bärenmaki einige Meter weit weggeschleudert werden, um sich an der neuen Stelle
sofort wieder zusammenzurollen.
Die Pottos und Loris dagegen haben kurze Finger mit weichen Ballen. Sie entdecken ihre meist langsame
Beute mit dem Geruchssinn und fangen sie, solange sie sich nicht bewegt. Der Bärenmaki frißt hauptsächlich
haarige Raupen. Stellt man einen Bärenmaki vor die Wahl zwischen solchen Raupen und "genießbaren"
Tieren wie Grashüpfern oder Schwärmern, wird er die Raupen verschmähen. Die Fähigkeit, Beute zu fressen,
die nicht sehr schmackhaft, dafür aber mit dem Geruchssinn leicht zu orten ist, ist wohl eine Folge der
langsamen Fortbewegung der Pottos und Loris. Im Vergleich zu anderen Säugetieren ähnlicher Größe
haben die Loriartigen eine relativ niedrige Fortpflanzungsrate. Von wenigen Ausnahmen abgesehen,
bringen sie nur einmal im Jahr ein einziges Junges zur Welt.
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