Raymond Oueneau (21.3.1903, Le Havre - 25.10.1976, Neuilly)


Raymond Queneau gehörte den Surrealisten von 1924 bis 1929 an; er lieferte Beiträge zu La Revolution surrealiste und diversen anderen surrealistischen Publikationen. 1929 brach er mit Breton aus, wie er immer wieder betonte, "persönlichen Gründen". So gehörte er auch zu den Unterzeichnern des gegen Breton gerichteten Manifestes Un cadavre (1930). In seinem Roman Odile (1937, dt. Odile, Frankfurt/Main 1985), in dem man ohne Schwierigkeiten Breton, Eluard, Péret, und Naville wiedererkennt, beschreibt er das Leben der Gruppe auf wenig schmeichelhafte Weise.

Sein Name erscheint nur noch einmal in einer Publikation, die sich auf den Surrealismus bezieht: Le surrealisme revolutionnaire (1948). Seine spätere Laufbahn könnte kaum vielseitiger sein: Er war Mathematiker, Enzyklopädist, Philosoph, Lektor und Schriftsteller. Er verfaßte 15 Romane, Gedichte, Drehbücher, Skripte für Rundfunksendungen, visuelle Texte und Übersetzungen aus dem Englischen, war Mitglied des Collège de Pataphysique (eine Nonsens-Wissenschaft der imaginären Lösungen) und Gründer von OuLiPo (Werkstatt für potentielle Literatur). Eugen Helmlé hat viele seiner Bücher kongenial ins Deutsche übersetzt, am bekanntesten ist wohl der Roman Zazie in der Metro, der von Louis Malle verfilmt wurde. Sein Buch Exercices de style (Stilübungen) ist mit seinen neunundneunzig Wiederholungen derselben banalen Geschichte ein gutes Beispiel für den Geist der Pataphysik, welcher später auch die Komiker der Monty Pythons beeinflußte.


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