Autor:
Tibull [Albius Tibullus] (um 50 - 17 v. Chr.)

Werk:
"Elegie"

Übersetzung:
D. F. Koreff, Paris 1810

Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994



Tibull schildert in seinen szenisch ausgesponnenen "Elegiae" die römische Lebewelt. Daß dort nicht die Sexualität regiert, sondern das Geld, läßt er sein Alter Ego in den Gedichten spüren. So nimmt ihm ein reicher alter Mann den Geliebten weg, und er, empfindsam und in allen fürsorglichen Idealen der Knabenliebe erfahren, steigert sich schließlich in obszöne Verwünschungen. Das ist nicht nur, aber es ist auch komisch.



Elegie

Wolltest verraten du einst unselige Liebe, warum hast
Bei den Unsterblichen du Treue verstellt mir gelobt?
Ach Unseliger! hehlt auch jemand im Anfang den Meineid,
Spät, auf schweigendem Fuß, kommet die Strafe doch nach.
Schont, ihr Himmlischen, sein; erlaubt sei billig den Schönen,
Einmal sich ungestraft, Götter!, an euch zu vergehn.
Nur um Gewinn an den lenksamen Pflug jocht Stiere der Landmann,
Treibt mit beharrlichem Sinn emsig das lästige Werk;
Durch das sturmgehorchende Meer führt irrender Schiffe
Wandrung nur um Gewinn leitend ein sichres Gestirn.
Gold hat auch mir den Knaben verführt: O möchte doch rächend
Jene Geschenke ein Gott wandeln in Asch' und in Flut.
Nun, er wird schon dafür büßen. Der Staub wird die Schönheit
Schon ihm verzehren, der Sturm gräßlich verwildern sein Haar.
Und sein Gesicht und die Locken, die wird ihm die Sonne verbrennen,
Und die Länge des Wegs schmerzen den schwächlichen Fuß.
Wie oft warnt' ich dich nicht: "Beflecke durch Gold nicht die Schönheit,
Oft ist des Unheils viel unter dem Golde versteckt.
Wer, von Reichtum verführt, Verräter an Liebe geworden,
Dem ist Venus sodann mürrisch und feindlich gesinnt.
Lieber versenge mein Haupt, verwunde den Leib mit dem Schwert mir,
Mit dem geflochtenen Seil geißle den Rücken mir wund.
Hoffe auch nicht zu verbergen, was weiter du Schlimmes noch vorhast,
Denn es verhindert ein Gott daß sich verberge der Trug.
Oft schon verhängte der Gott, daß, schwieg auch der Diener, die Alte,
Plaudernd von häufigem Wein, laut das Geheimnis verriet.
Oft schon gebot der Gott, und Schlummerbezwungene nannten
Wider willen die Tat, die zu verhehlende, laut."
Alles dies sagt' ich. Nun schäm' ich mich tief, daß weinend ich flehte,
Daß ich das liebliche Knie schmeichelnd ihm jemals umschlang,
Damals schwurst du mir zu, nie Treue verkaufen zu wollen,
Nicht um Goldes Gewicht, nicht um den edelsten Stein,
Nicht, wenn man dir als Bezahlung Land der Campania böte
Oder Falerner Land, daß du Bacchus dann dienst.
Ja, du hättest mir ausreden können, daß Sterne am Himmel
Leuchten und strahlend hell Blitze ziehen die Bahn.
Ja, du weintest sogar, und ich, nicht gefaßt auf die Täuschung,
Habe dir, völlig naiv, noch das Auge gewischt.
Was erst tätest du wohl, wenn nicht ein Mädchen du liebtest?
Treulos, ich Rehe, sei sie, wie sie's dein Beispiel gelehrt.
O wie trug ich so oft, damit euch niemand belauschte,
Euch begleitend bei N acht, selber die Fackeln voran.
Oft kam wider Erwarten dein Mädchen durch meine Vermittlung.
Schalkhaft stand sie versteckt hinter verschlossener Tür.
Damals ging ich zugrunde, denn töricht glaubt' ich: Er liebt mich.
Doch mit ein bißchen Vernunft hätt' ich den Fallstrick geahnt.
Ja, mit begeistertem Sinn sang ich dir noch Lobesgesänge,
Nun aber schäme ich mich, für die Musen, für uns.
Mit verzehrender Flamme verbrenne die Lieder Vulcanus,
Und mit schäumender Flut mag sie vertilgen der Strom.
Du sei ferne von mir, denn käuflich ist doch deine Schönheit,
Und in gefüllter Hand trägst du beträchtlichen Lohn.
Du aber, der es , gewagt, durch Gold zu verführen den Knaben,
Mit stets währendem Trug höhne dich straflos dein Weib.
Und wenn in heimlicher Lust sie dann einen Jüngling erschöpft hat,
Liege, durch Decken getrennt, schläfrig und müd' sie bei dir.
Immer verrate dein Bett die Spuren von fremden Besuchen.
Lüsternen ,Männern steh' immer offen dein Haus.
Von der verhurten Schwester vermöge uns niemand zu sagen,
Ob sie mehr Becher geleert, ob sie mehr Männer bedient.
Und das wissen doch alle: Sie feiert oft Bacchusgelage,
Bis den dämmernden Tag Hesperus winket herauf
Besser als sie wird wohl keine verstehen, die Nacht zu durchschwelgen,
Wechselnd erfinderisch Reiz üppig der Wollust zu leihn.
Und von ihr lernt's dein Weib. Doch du Törichter merkst ja auch dann nichts,
Wenn ungewohnt raffiniert sie im Bett sich bewegt.
Glaubst du etwa, sie ordne sich deinetwegen die Locken?
Führe des engsten Kamms Zahn durch das seidene Haar?
Freilich erklärt's dein Gesicht, warum sie die Arme mit Gold schmückt,
Und ihr Purpurgewand prächtig den Busen umwallt.
Dir nicht, einem der Jünglinge will sie verlockend erscheinen,
Ihm, dem zum Opfer sie wohl brächte dein Haus und dein Gut.
Nicht aus verderbtem Gemüt tut sie's, das reizende Mädchen,
Flieht den gichtigen Leib, flieht den umarmenden Greis.
Und grade diesem ergab sich mein Knabe, nun glaub' ich, er kann wohl
Selbst dem scheußlichsten Tier sich gesellen in Lust.
Anderen hast du gewagt, Liebkosung, mein Gut, zu verkaufen,
Andre zu küssen sogar, denn wie von Sinnen warst du.
Weinen noch wirst du, wenn bald ein anderer Knabe mich fesselt,
Stolz dann herrscht in dem Schoß, der doch der deinige war,
O wie soll mich dein Leid dann erfreun! Der Erhörerin Venus
Weih' ich die Palme aus Gold, und die Inschrift sagt ihr:
"Göttin, dir weiht dies Tibullus, erlöst von betrüglicher Liebe,
Und er flehet dich an, sei ferner günstig gesinnt."

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